Die Retter der vier Jahrzehnte

42 Jahre DLRG Ortsgruppe: Was die ehrenamtlichen Retter in Rot leisten - eine Bilanz 2015

Die DLRG Ortsgruppe Neuerburg-Waldbreitbach e. V. konnte für das abgelaufene Jahr 2015 eine erste Bilanz ziehen.
So hatte der Verein zum 31.12.2015 insgesamt 191 Mitglieder, deutlich mehr als die Hälfte davon Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.

In 2015 wurden insgesamt 4.847 Stunden (und damit 350 Stunden mehr als 2014) erbracht, die sich wie folgt zusammensetzen:
-    826 Stunden (+  28) für Ausbildung Schwimmen, Rettungsschwimmen und Tauchen
-      60 Stunden (+  20) für Ausbildung Medizin und Katastrophenschutz
-    852 Stunden (+238) für Organisation und Verwaltungsaufgaben
- 3.109 Stunden (+  64) für Wasserrettungsdienst in Schwimmbad und Freigewässer

Beim Wasserrettungsdienst bewahrten die Rettungsschwimmer in der abgelaufenen Saison
1 Person vor dem Ertrinken.

Die Rettungsschwimmabzeichen konnten 10 mal nach erfolgreich bestandener Prüfung verliehen werden. In der Schwimmausbildung befanden sich 228 Kinder, die bisher 70 Seepferdchen und
62 weiterführende Schwimmzeichen erwarben. Alleine in den letzten 25 Jahren hat die Ortsgruppe mehr als 4.000 Schwimmabzeichen abgenommen.

Dies sind für eine relativ kleine Ortsgruppe mit einer überschaubaren Anzahl an ausgebildeten Übungsleitern, Rettungsschwimmern, Sanitätern und Vorstandsmitgliedern imposante Zahlen. Um dies aber weiterhin und in Zukunft gewährleisten zu können, benötigt die Ortsgruppe weitere Helfer, die sich in einzelnen oder verschiedenen Bereichen engagieren möchten. Ein erfreulicher Lichtblick sind zur Zeit eine neue Ausbilderin und einige jugendliche Helfer, welche die Übungsleiter nach Kräften unterstützen.

Ein Bad kostet Geld - kein Bad kostet Leben

Eine weitere existenzielle Voraussetzung für die wichtige soziale Arbeit des Vereins ist natürlich das Wiedtalbad. Hier hofft man, dass trotz des jährlichen Verlustes eine für alle einvernehmliche Lösung gefunden wird, das Wiedtalbad auch in Zukunft - wegen oder auch trotz der Kommunalreform - weiter betreiben zu können, auch wenn es sich hier um eine freiwillige soziale Leistung der Kommune handelt und diese mit dieser Aufgabe allein gelassen wird. Auf die Wichtigkeit der Vorhaltung eines solchen Angebotes für die Schwimmausbildung aber auch für die Verbandsgemeinde als Touristikort hat die DLRG in der Vergangenheit ausreichend und ausführlich hingewiesen.

THBE

Die Retter des Jahrhunderts

102 Jahre DLRG: Was die ehrenamtlichen Retter in Rot leisten - und warum sie so nachdrücklich gegen die Schließung öffentlicher Bäder protestieren

Geschafft! Der kleine Jakob freut sich wie ein Schneekönig. Gerade hat er seine "Seepferdchen"-Prüfung bestanden, ebenso wie alle seine Mitschüler. Stolz nimmt er das Abzeichen entgegen. Der erste Schritt zur Sicherheit im Wasser ist getan: Jakob hat schwimmen gelernt - im Schulunterricht.
Das Problem: Genau diese "Lebensversicherung" wird immer mehr Kindern in Deutschland vorenthalten. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kritisiert, dass vom 1. Juli 2007 bis 30. September 2015 bundesweit 371 Bäder geschlossen wurden. Rund 670 weitere Einrichtungen sind akut bedroht. Im gleichen Zeitraum wurden nur 21 Bäder neu gebaut und 90 saniert. Die Folge: Schon heute können 20 Prozent der Grundschulen in Deutschland keinen Schwimmunterricht mehr anbieten.
Rückblende. 1913, also noch zur Kaiserzeit, wurde die DLRG gegründet - weil jedes Jahr 5.000 Menschen im Reich ertranken, und die Regierung nichts unternahm. In den vergangenen 100 Jahren konnten die ehrenamtlichen Lebensretter diese Zahlen enorm senken.
Durch ihren unermüdlichen Einsatz und die Ausweitung des schulischen Schwimmunterrichts seit den Sechzigerjahren sank die Zahl der Todesfälle zuletzt um bis zu 92 Prozent. 2014 haben Rettungsschwimmer 773 Menschen vor dem Ertrinken bewahrt, für 392 Menschen kam allerdings jede Hilfe zu spät.

Opferzahlen könnten zunehmen: Kommunen machen Bäder dicht

Die Zahl der Unglücksfälle im Wasser werde vermutlich wieder steigen, warnt die DLRG. Für ihre Schwimmkurse gibt es bereits lange Wartelisten. 2014 konnten die Ausbilder trotzdem noch insgesamt 203.631 Prüfungen abnehmen, davon alleine knapp 65.000 Rettungsschwimmabzeichen. Legt man solche Erfolge zugrunde, war das 100-jährige Bestehen der DLRG durchaus Grund zum Feiern. Die Aktiven organisierten zum Jubiläum aber auch einen spektakulären Bootskorso in Berlin, um gegen die zahlreichen Schließungen von Bädern zu protestieren. 25% der Grundschulen können keinen Schwimmunterricht anbieten, weil kein Bad mehr zur Verfügung steht. Sorge macht der Rückgang der Zahl der Abnahmen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze. Das zeigt sehr deutlich, dass die Schwimmfähigkeit in Deutschland abnimmt. Leitidee der Ausbildungsoffensive ist es, die Zahl der Todesfälle bis 2020 zu halbieren.

PSZ/THBE


Die DLRG ist Spitzenverband im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV), im Deutschen Spendenrat, in der International Life Saving Federation (ILS) und der ILS-Europe sowie in der Arbeitsgemeinschaft Erste Hilfe.